Mein persönlicher Zugang

Dein Sternenkind | meine Diplomarbeit

Seit 2014 bin ich aktives Mitglied bei dein-sternenkind.org, einer Organisation aus Deutschland unter der Leitung des Gründers Kai Gebel, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Fotos von Sternenkindern, Kindern, die tot geboren werden oder geboren werden, um zu sterben, anzufertigen. Nach meinem ersten Einsatz im September 2014 - in Österreich steckt, im Gegensatz zu Deutschland, die Sternenkinderfotografie aufgrund der Verdrängung des Todes in der Öffentlichkeit noch immer in den Kinderschuhen - begann ich mir zusätzlich Gedanken zum Thema Totenfotografie von Erwachsenen zu machen. Und kaufte mein erstes Buch, einen Ratgeber zur Post-Mortem-Fotografie von Dr. Martin Kreuels.

 

Während mein Opa im Krankenhaus 2015 im Krankenhaus lag, erzählte ich meiner Familie von der Idee, Fotos von meinem Opa nach seinem Tod machen zu wollen, mit ihm gesprochen, hatte er nichts dagegen gehabt. Leider sollte ich keine Gelegenheit bekommen, meinen Opa zu fotografieren, er verstarb im Krankenhaus, drei Stunden nachdem ich in den Flieger nach Stockholm zu einer Festivalbuchung stieg. Elf Tage später, bei meiner Rückkehr vom Festival in Helsinki, war aufgrund der Krebserkrankung ein Fotografieren nicht mehr möglich. Daraufhin habe ich das Begräbnis fotografiert.

 

2016/2017 absolvierte ich den Diplomlehrgang in der Lightbox Academy unter der Führung von Robert Pichler. Back 2 Basics war mein Motto, Altes neu erlernen, ausgetretene Pfade verlassen. Als Diplomarbeitsthema wählte ich die Post-Mortem-Fotografie. Die Fotos, die ich machen wollte, hatte ich schließlich bereits seit einigen Monaten im Kopf.

 

Im März 2018 verstarb meine Omi. Als sich ihr Zustand immer weiter verschlechterte, redete ich erneut mit meiner Familie, um die Erlaubnis einzuholen, sie fotografieren zu dürfen. Nach anfänglicher Skepsis erhielt ich die Erlaubnis und als sie verstorben war, kam in der Früh der Anruf.

 

Irgendwie war es ein mulmiges Gefühl, wir waren zu dritt, meine Tante, Omis Ärztin und ich, saßen am frühen Morgen bei einem Kaffee zusammen und warteten auf den Leichenbeschauer der Stadt Wien. Nachdem die Leichenschau vorüber war, kleidete meine Tante mit Hilfe der Pflegerin Omi neu ein, zog meiner Omi die Lieblingskleidung und einen Pullover, von meiner Tante selbstgestrickt, an.

 

Das Sterbezimmer kannte ich bereits seit Jahren, besuchte ich doch meine Großeltern regelmäßig in den Ferien, wohnte auch mal eine Zeitlang im Haus gegenüber. Ein paar Kleinigkeiten veränderte ich, der Haltegriff des Bettes wurde abmontiert, der kleine Beistelltisch mit der frisch angezündeten Kerze neben das Bett gerückt. Die Sonne schien zum Fenster herein und ich näherte mich vorsichtig fotografisch meiner Omi, entfernt mit einem Weitwinkel, später nah genug für Close-ups.

 

Eine Woche später hielt ich ein Fotobuch im Format A3 in der Hand, meine Diplomarbeit, 14 Fotos, die Realisation der Bilder, die ich schon vorher im Kopf hatte.

 

Immer wieder nehme ich das Fotobuch in die Hand, betrachte die Fotos und erinnere mich an meine Omi. Nicht nur, wie sie friedlich entschlafen war, sondern auch an jene Momente, an denen sie mich an meinem Bart ziehen wollte, um mich im Alter von 25 Jahren noch immer zu rügen. Oder an jene Momente, wenn samstäglich die gesamte Familie bei Tante versammelt war und sie mich fragt, warum ich noch immer kein "Mädchen" zum Heiraten gefunden hätte.